Am 4. Tag (Mittwoch) stand der Besuch von “San Sebastian” auf dem Programm. Die Hafenstadt hat ca. 180.000 Einwohner, liegt am Atlantik und ist ca 200 km von Jaca entfernt. Der Tag hätte eigentlich so schön sein können – Die Betonung liegt auf eigentlich
Denn das Wetter spielte zum einem nicht mit (bewölkt, verregnet 12 Grad) und zum anderen hatten wir die “Park-Challenge” zu überwinden. Doch dazu später mehr…
Logbuch des Tages:
7:59 Uhr – Ich stehe am Busbahnhof, die Lehrer zählen nochmal durch ob alle da sind. Es kann losgehen.
8:38 Uhr – Es geht über Autobahnen und Landstraßen…

11:05 Uhr – Ankunft in San Sebastian. Wir cruisen erstmal gechillt durch die Stadt und lassen in Strandnähe die Schüler raus. Noch ist die Laune super…

11:16 Uhr – Jetzt kommen wir zum Problem, was die Laune etwas trübt: Die Park-Challenge. Für jeden Busfahrer ist das die absolute Königsdisziplin und eine Schattenseite in unserem Job. Wobei, Schattenseite nicht ganz richtig ist, es gehört halt zur Kategorie “Abenteuer” dazu. Die Park-Challenge ist folgende Aufgabe: “Finde einen Busparkplatz in einer ausländischen Stadt, ohne jedoch die jeweilige Sprache zu beherrschen”
Normalerweise ist die Park-Challenge doch recht einfach zu bewältigen, denn übers Internet kann man im Vorfeld nach geeigneten Parkplätzen suchen. Oder mal in der universal-sprache englisch jemanden fragen. Doch beides war nicht möglich. Erschwerend kam hinzu, dass die Straßen von San Sebastian absolut nicht auf 3-Achser 14-Meter-Busse wie unseren ausgelegt sind. Also, die Park-Challenge mit hohen Schwierigkeitsgrad geht los…
11:29 Uhr – Zunächst steuern wir den örtlichen Bahnhof und Busbahnhof an – dort war theoretisch eine Parkmöglichkeit vorhanden, doch wir werden sofort weggejagt vom Ordnungsamt.
11:42 Uhr – Als nächsten fahren wir ziellos durch die Stadt und finden tatsächlich eine 20-Meter-Parklücke am Straßenrand und das sogar City-nah! Doch die Freude währt nicht lange, als nach dem einparken ein Polizeiwagen neben uns anhält und wir wieder weggejagt werden. In meinen sensationellen
fließenden Spanisch-Kentnissen frage ich den Beamten “Where i can parco el autobuso?” Das hat er sogar verstanden, auf meinen Stadtplan setzt er ein Kreuzchen.
11:57 Uhr – Wir fahren zum besagten Kreuzchen im Nordwesten der Stadt. Vom Busparkplatz keine Spur, ganz im gegenteil, die Straße wird immer enger. Irgendwann wird aus der Straße eine Anwohnerstraße, die obendrein noch zur Einbahnstraße wird. Uns beschleicht uns ein mulmiges Gefühl, ein wirklich ganz ganz beschissenes Gefühl. Wir wollen nicht weiterfahren – doch umdrehen können wir nicht und rückwärts zurück ebenfalls nicht, da hinter uns mindestens 10 Autos herfahren. Also Augen zu und durch…mit einem 14-Meter-Bus ins unbekannte Gebiet…

12:03 Uhr – Feierabend, nicht gehts mehr. Die Straße macht einen scharfen Knick, mit dem Bus unmöglich zu bewältigen. Ich ziehe die Warnweste an und animiere 12 miesgelaunte
Autofahrer mal eben paar hundert Meter rückwärts zu fahren. Das Hupkonzert und die gefühlten 1000 Flüche und Beleidigungen werd ich hier mal nicht erwähnen. Aber am Ende hilft ja alles nichts, der Bus muss rückwärts zurück und
die Autos nunmal auch. Bei Regen und Wind komme ich dennoch mächtig ins schwitzen.
12:28 Uhr – Nach einer knappen halben Stunde sind 600 Meter geschafft, wir sind wieder auf der Hauptstraße. Zwischenzeitlich taucht auch mal eine Polizeistreife auf
und übernimmt das absichern beim rückwärtsfahren. Die Beamten sind sehr freundlich und haben nicht gemeckert. Gottseidank…
12:42 Uhr – Nun fahren wir immernoch ziellos durch die Stadt, mittlerweile irgendwo im Süden. Wir sehen eine Grundschule mit Busparkplatz! Ja! Jackpot!!! Wir parken ein, die Freude
ist riesig! Endlich geschafft! Doch kaum, nachdem der Motor ausgestellt ist, taucht wieder mal wie aus dem nichts eine Polizistreife auf und schickt uns weg. Das Parken ist hier
nur für Schulbusse erlaubt. Meine Frage, wo wir denn hinsollen wird stumpf ignoriert.

12:47 Uhr – Im selbigen Wohngebiet, ein paar Querstraßen weiter finden wir eine Baustelle wo nichts los ist. Und die liegt praktischerweise in einer Sackgasse. Eine ideale Gelegenheit da die Kiste abzustellen!

12:49 Uhr – Derselbe Streifenwagen taucht abermals auf, die Beamten fordern uns auf wegzufahren. Begründung: Auf einer gelben Linie darf nicht geparkt werden. Wir sind völlig genervt, haben kein Bock mehr auf diese Stadt. Wir nehmen Kurs auf die Autobahn und wollen irgendwo dort uns hinstellen. Die Stadtbesichtigung betrachten wir als erledigt. Hauptsache kein Stress mehr, bloß weg hier!
12:58 Uhr – Am Rande der Stadt, kurz vor der Autobahn, sehen wir leere Lagerhallen, mit großen Parkflächen. Dort stehen auch Busse und dort stellen wir uns nun auch ab.
Endlich!!! Nach 2 Stunden ist die Parkchallenge beendet! Ich bin völlig genervt und habe keine Lust mehr auf Sightseeing. Doch mein Kollege ist bester Laune und animiert mich zumindest mal die Umgebung zu erkunden, anstatt dumm im Bus zu sitzen. Ich willige ein.

13:06 Uhr – Ein Taxi fährt an uns vorbei, spontan wie ich bin, winke ich es ran. In erkundige mich nach einem Fahrpreis in die City, mir werden 10 Euro genannt. Ich bin beeindruckt. Aus meiner Zeit als Taxifahrer in meinem Dorf weiß ich, dass für die Strecke bei mir mal locker 25 fällig werden. Wir steigen ein und lassen uns hinfahren, anschließend können wir uns alles in Ruhe anschauen: Den Ozean, Strand, Hafen, Altstadt…eine tolle Stadt.
17:04 Uhr – Abfahrt aus San Sebastian
20:30 Uhr – Ankunft in Jaca, Feierabend, wohlverdient
Morgen geht es mit Teil 5 weiter…